Friede, Freude, Eierkuchen
Warum Familienalltag selten perfekt ist – und genau deshalb vieles richtig läuft
Ein ehrlicher Blick auf Familie, Konsum und das echte Leben
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Bauchliebe.ch - von Belinda Kurmann, Gründerin und Inhaberin

Es gibt diese seltenen Sekunden im Familienalltag, in denen alles stimmt. Alle sitzen. Niemand weint. Niemand schreit „ICH HATTE DAS ZUERST“. Der Kaffee ist warm.
Das ist der Moment, in dem man denkt: So. Jetzt. Genau jetzt. Friede, Freude, Eierkuchen.
Dieser Zustand hält erfahrungsgemäss etwa so lange wie ein offenes Glas Honig in Reichweite eines Kleinkindes.
Denn der Alltag von Eltern ist kein Wohlfühlprogramm, sondern ein Hochleistungs-Parcours. Entscheidungen werden nicht nach langer Reflexion getroffen, sondern zwischen Jacke anziehen und „bitte nicht jetzt“. Bewusster Konsum klingt grossartig – bis man müde ist, das Kind plötzlich eine Meinung zu allem hat und der Warenkorb „nur schnell“ gefüllt werden sollte.
Und genau dann taucht er auf, dieser innere Dialog:
Brauchen wir das?
Haben wir davon nicht schon drei?
Warum kostet das mehr als meine erste Winterjacke?
Und wer hat entschieden, dass Kinderkleidung immer entweder beige oder neonpink sein muss?
Diese Fragen sind maximal unpraktisch. Sie sind die natürlichen Feinde von Friede, Freude, Eierkuchen.
Trotzdem kommen sie immer wieder. Weil irgendwo zwischen Wäscheberg und Brotdose ein Rest Verantwortung übrig bleibt. Nicht als moralischer Zeigefinger, sondern als leises Bauchgefühl. Qualität fühlt sich selten spektakulär an. Sie schreit nicht „Neu! Trend! Must-have!“. Sie sitzt einfach da. Hält durch. Macht mit. Auch dann, wenn jemand spontan beschliesst, sich auf den Boden zu legen und „nicht mehr weiterzumachen“.
Kinder haben übrigens ein erstaunlich gutes Gespür dafür. Sie merken, ob Dinge etwas aushalten – oder sofort beleidigt sind. Ob etwas bleiben darf oder nach drei Wochen verschwindet. Das prägt mehr als jede Hochglanzbotschaft. Ganz ohne pädagogisches Begleitprogramm.
Vielleicht ist Friede, Freude, Eierkuchen also gar kein Dauerzustand. Sondern ein flüchtiger Moment zwischen zwei „Mamaaaa!“. Einer, der sich einstellt, wenn Entscheidungen halbwegs Sinn ergeben. Wenn nicht alles perfekt ist, aber vieles passt. Wenn man nicht alles optimiert, sondern einfach ehrlich unterwegs ist.
Und falls es dann tatsächlich einmal ruhig bleibt, alle essen und niemand etwas verschüttet?
Nicht bewegen. Nicht sprechen. Einfach geniessen.
Der Eierkuchen ist empfindlich.
Belinda Kurmann, Inhaberin und Gründerin von Bauchliebe.ch
Verheiratet und Mutter von drei Kindern